Åsleif Aschenhaupt

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Åsleif "Aschenhaupt" Rafnsdóttir ist eine viel besungene Schildmaid vergangener Tage. Schon jung verwaist blieb dem Mädchen kaum Ausblick für die Zukunft, und so lernte sie früh, mit allen Mitteln zu überleben. Ihre Vorliebe für Feuer und Brandschatzen brachte ihr den Titel Aschenhaupt ein, als Åsleif alt genug war, ihrem Yarl als Schildmaid zu dienen. Berühmt machte Åsleif vor allem die Sage von ihrem Verrat - und ihrer Rache.


Waisenkind

Åsleif wurde nahe eines wenig bedeutsamen Dorfes in Skarnland geboren. Über ihre Eltern ist wenig überliefert, doch zumeist werden sie als ein armer Fischer und dessen Frau benannt. Man sagt, Thyri habe besonders schlechte Laune gehabt in jenem Herbst, denn Stürme peitschten die See seit Wochen auf, und Åsleifs Vater kam ums Leben, bevor seine Tochter an einem der wenigen windstillen Tage zur Welt kam. Nur wenig später jedoch zog ein Gewitter auf und Åsleifs Mutter, geschwächt von der schweren Geburt, schaffte es nicht, sich selbst und ihr Kind zu retten, als ein Blitz in ihre kümmerliche Hütte einschlug. Erst am Morgen bemerkte ein Dorfbewohner das kleine Bündel Elend, das auf der Türschwelle des abgebrannten Hauses lag. Nur einen Steinschlag weiter war die Mutter unter einem Balken begraben, doch das Neugeborene hatte wie durch ein Wunder überlebt. Über das nackte, rußgeschwärzte Kind wachte ein Rabe, als sei es sein eigenes. Viele Dorfbewohner fürchteten, dass dunkle Mächte das Kind verflucht und beide Eltern in einem Tausch aus dem Leben gerissen hatten. Sie forderten, das Mädchen zu töten, bevor sie noch eine Seele fordern konnte, doch sobald auch sich auch nur ein Krieger näherte, kreischte der Rabe auf, und das Kind begann zu weinen. So versuchte Mann um Mann, die Axt zu ziehen, und für jeden von ihnen landete ein neuer Rabe auf den Baumwipfeln nahe der Hütte. Schließlich trat ein dem Dorf fremder Seher hervor. "Die Raben folgen dem Willen der Eiren", so sprach der Seher, "und die Eiren blicken mit Gnade auf dieses Kind." Er gab dem Kind den Namen Rafnsdóttir und weissagte, dass großes Unglück über das ganze Dorf käme, wenn auch nur eine Klinge seine Haut durchdringen sollte. Für einige Tage kümmerte sich der Seher selbst um die Rabentochter, bis er seine Reisen fortsetzen musste. Nun nahm sich die Frau des Yarls selbst des Kindes an, und sie benannte sie Åsleif, nach ihrer eigenen Mutter.

Rabentochter

So wuchs Åsleif im Haushalt des Yarls auf, obwohl dieser sie nie als sein Kind anerkannte. Seine Frau schenkte dem Yarl sechs Söhne, doch im Geheimen liebte sie die Tochter, die sie im Sturm gefunden hatte, mehr als alle sechs zusammen. Åsleif merkte früh, dass ihre Anwesenheit alleine einen Raum mit Spannung aufheizen konnte. Die Brüder, die nicht ihre waren, teilten die Missgunst, mit der ihr der Yarl entgegen trat, und das Dorf traute den Umständen ihrer Geburt nicht. So sehr sich ihre Ziehmutter auch bemühte, Åsleif hatte keine Hoffnung, aus den Künsten einer Frau je eine Zukunft spinnen zu können - niemand im Dorf traute ihr genug, um eine Hochzeit in Erwägung zu ziehen. Also wandte sich Åsleif der Kriegskunst zu, dem einzigen Weg, ein wenig Ehre zu gewinnen. Wenn sie jedoch darum bat, mit den anderen Kindern unterwiesen zu würden, scheuten die Krieger des Dorfes vor ihrer Bitte zurück. Viele von ihnen hatten den Worten des Sehers beigewohnt, und sie fürchteten den Zorn der Eiren, sollten sie Schwert und Axt gegen Rafnsdóttir zücken. Für lange Jahre übte Åsleif alleine, sah und hörte nur, was die anderen taten, und kopierte es mit nichts als Luft zum Gegner. Mit zwölf Jahren war es Åsleif zum ersten Mal erlaubt, sich mit den heranwachsenden Kriegern zu messen - mit fünfzehn flehte sie den Yarl an, einem Plünderzug beiwohnen zu dürfen. In ihren Träumen hatte sie immer wieder ferne Küsten und Wälder gesehen, Berge und Einöden, und sie war sicher, ihr Schicksal liege darin, die Welt zu bereisen.

Åsleif war zu einem hübschen Mädchen herangewachsen. Sie hatte Augen grau wie Regen und Haar in der Farbe vom Kieselstrand. Ihre Ziehmutter bat sie, zu bleiben, auf dass sie ihr einen Ehemann finde, und ihr Ziehvater warnte, dass niemand im Dorf auf dem gleichen Schiff wie sie segeln wolle. Mit schwelender Wut im Bauch knüpfte sie ein Fischerboot, kaum groß genug für ihre langen Beine, hinter eines der Schiffe, und so stach sie mit, wenn auch hinter, den Kriegern in See.

Schildmaid

Das Misstrauen ihrer Dorfgenossen verflog schnell, als Åsleif sich in den Schildwall einreihte. Entschlossen, sich endlich als Teil der Gemeinde zu beweisen, kämpfte Åsleif, als könne sie nichts verlieren - und gewann dadurch alles. Ihren Teil der Beute brachte sie vor den Yarl. "Als Dank für all die Jahre, die ich an Eurer Tafel speisen durfte." Ihre Ziehmutter vergoss bittere Tränen, doch Åsleif zog in ein kleines Haus am Fuße der Klippen, und im nächsten Jahr sang und trank sie unter dem Segel ihres Dorfes. Die Krieger hatten bereits reichlich geplündert, als sie auf die Delegation eines benachbarten Yarls trafen, mit dem ihr Dorf in Konkurrenz stand. Wie sich herausstellte, hatten beide Yarls die gleiche Region als Ziel der Plünderungen ausgewählt, und die Krieger des Nachbardorfes forderten, dass man die Beute mit ihnen teile. Nicht als einzige war Åsleif empört. In der Nacht brüteten sie und ihre Dorfgenossen über der Frage, ob sie teilen oder verschwinden sollten. Im Schatten des Lagerfeuers meldete sich Åsleif zu Wort: "Zünden wir sie an." Und mit der Hilfe von zwei ihrer wenigen Freunde schlich sie an die Küste und setzte die Schiffe des Nachbardorfes in Brand. Dieses Jahr präsentierte sie dem Yarl kein Gold, sondern das Banner seines Rivalen. Einen Sommer später kommandierte Åsleif ihr eigenes Schiff.

Aschenhaupt

In den folgenden Jahren brachte Åsleif Ruhm in ihr Dorf und Schrecken über die Länder, die sie besuchte. Ihre Männer waren furchtlos und bis an die Zähne bewaffnet, doch ihre beste Waffe wurde das Feuer, dass ihren Schritten folgte. Åsleif weigerte sich, jemals die gleiche Stelle zweimal zu plündern. Stattdessen fegte sie Ortschaft um Ortschaft von der Karte, und die Asche, die vom Himmel fiel, hing in ihrem Haar bis sie heimkehrte. Man nannte sie Aschenhaupt, und wo Aschenhaupt auftauchte, war das Feuer nicht weit. Manch einer versuchte, es gegen Åsleif und ihre Krieger zu wenden, doch die Flammen schienen sie nicht berühren zu wollen. In ihrem Heimatdorf wandte sich der Aberglaube langsam wieder gegen Åsleif. Der Klingenfluch jagte längst niemand mehr Angst ein, schließlich hatte Åsleif kaum noch Feinde in den eigenen Reihen. Doch nun munkelte man, sie wende Hexerei an, um sich die Flammen Untertan zu machen. Der Name Aschenhaupt wurde sowohl mit Ehrfurcht als auch Abneigung gewispert. Solange Åsleif jedoch brandschatzte, kam großer Reichtum ins Dorf, und so blieben ihre Kritiker still und tranken auf sie, solange der Met floss.

Schattenschwester

Der Yarl des Dorfes sandte jedes Jahr viele Schiffe aus, doch nur bei Åsleif stritt man darum, sich ihr anschließen zu dürfen. Bald folgten ihr die anderen Schiffe, als sei es ihre Flotte, und der Neid spross um sie herum wie Unkraut. Am schlimmsten beneideten sie jene, die mir ihr aufgewachsen waren, die sechs Söhne des Yarls, denn ihr Vater wurde alt, und Åsleif hatte seinem Thron mehr Schätze und Ehre gebracht als sie es je konnten. So befürchteten die Brüder, dass das Dorf sich kaum dran stören würde, wessen Blut durch Aschenhaupt floss. Viele behaupteten längst, sie sei ein Bastard des Yarls, oder vielleicht seiner Frau. Die Brüder schworen, ihr Erbe nicht an das Waisenkind, für welches ihre Mutter sie vergessen hatte, abzutreten. Åsleif hatte zehn Jahre geplündert, als sie heimkehrte und in die Falle der sechs Söhne lief. Sie kamen des Nachts, das war nicht schwer, denn Åsleif hatte nie einen Mann genommen und lebte noch immer alleine in ihrem kleinen Haus. Nach den ersten Flammen, die sie je gerufen hatte, war ein Krieg zwischen ihrem und dem Nachbardorf ausgebrochen. Die sechs Söhne beschuldigten sie vieler Tode, mit denen sie den Sieg und die Ländereien erkauft hatten. Vor dem Haupthaus, wo ihr Vater der Yarl im Starben lag, zwangen sie Åsleif auf die Knie. "Keine Klinge soll dich schneiden, Rafnsdóttir", rief der älteste, "doch gibt es so viel mehr, was eine Klinge zu tun vermag!" Der jüngste unter ihnen hielt Schwert ins Feuer, bis das Eisen rot glühte. Åsleif hatte genug gesehen von der Welt, so hatten die Söhne entschieden, und so pressten sie das heiße Eisen gegen ihre Augenlider, und Åsleif war erblindet.

Feuerklinge

In ihrer Kindheit jedoch hatte Åsleif jeden Winkel des Dorfes kennengelernt, um sich verstecken zu können, und in ihrer Jugend hatte sie jeden Angriff erlernt, um ihm entgehen zu können, und so hatten die sechs Söhne des Yarls ihre Ziehschwester nicht geschwächt, sie hatten lediglich ihren Zorn geweckt. Einen nach dem anderen fand Åsleif des Nachts. Sie begann mit dem Jüngsten und arbeitete sich zum Ältesten vor, der mit seiner Mutter am Sterbebett des Yarls hockte. Wie am Tag ihrer Geburt war ihr Gesicht verschmiert mit Ruß, doch dieses Mal musste sie kein Rabe schützen. Åsleif brannte nicht nur die Häuser der Brüder nieder, sie machte das ganze Dorf dem Erdboden gleich. Niemand vermochte es, sie aufzuhalten in ihrer blinden Wut, und bald flohen jene vor ihr, die gestern noch ihre Freunde gewesen waren. In jener Nacht regnete so viel Asche auf Åsleif nieder, dass sie am Morgen grau war wie ein Stein, und so verharrte sie inmitten des Dorfes und wartete auf ein Urteil der Götter. Aus Furcht sandte keines der benachbarten Dörfer nach ihr; drei Tage und drei Nächte wartete Åsleif darauf, dass jemand ihren Kopf verlangte, doch nur ein Seher, der durch die Welt reiste, passierte das Dorf. Man hatte ihn vor Jahren der falschen Prophezeiung bezichtigt und ihm die Zunge herausgeschnitten. So bedachte der Seher Åsleif Aschenhaupt stumm, und sie sah ihn nicht aus ihren blinden Augen, die schon das Sonnenlicht vermissten.

Sandläufer

Als niemand kam, um ihren Tod zu fordern, erkannte Åsleif, dass ihre Strafe stattdessen die Verbannung sein musste. Der einzige Ort, an dem sie blind hätte leben können, war Staub zu ihren Füßen. Das Feuer folgte ihr, als sie ihre Heimat verließ, und wandte sich gegen jeden, der ihre Schwäche ausnutzen wollte, und bald eilte ihr Ruf ihr voraus in Länder, die sie nie gekannt hatte. Hier gab sich Åsleif Aschenhaupt dem Ewigen Sand hin, denn in Skarnland war sie nicht länger willkommen. Manch einer sagt, dass die Hitze Aschenhaupt nichts anhaben könne, schließlich habe sie das Feuer schon am Tage ihrer Geburt verschont. Andere behaupten, mit der Seele ihres Vaters habe sie ihre Kindheit erkauft, mit der ihrer Mutter ihre Jugend, und mit hunderten seither ein Leben, das noch immer nicht beendet ist, ausgestoßen ans Ende der Welt.